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Von Talern, Bier und Sandsäcken

Folk am Fluss wieder gut besucht

Ein bisschen schräg, viel Improvisation, ein dankbares Publikum, Bier dort, wo es nicht hingehört, unzählige Sandsäcke und eine Fremdwährung – das diesjährige „Folk-am-Fluss“-Festival war nicht das, was man gemeinhin „perfekt organisiert“ nennt, aber total sympathisch. Und es hat viele kleine Geschichten erzählt.

Die Geschichte der Musikusse

Als „Hauptacts“, wie Festival-Profis sagen, waren „Maggie“ und „Stout“ verpflichtet worden. Da ein Gitarrist von Maggie gar nicht da war, weil er in den USA weilte, traten beide Kapellen gemeinsam auf, was richtig gut fluppte. Mal hart, mal soft, mal laut, mal leise – das kam an, und die Hände der geschätzten vierhundert Besucher taten das, was man für gewöhnlich tut, wenn man zeigen möchte, dass einem etwas sehr gut gefällt, und zwar den ganzen Abend lang.

Traditionell eröffnet worden war der Abend durch „Ruhr-Piper“ Björn Frauendienst mit seinem Dudelsack. Doch er kam diesmal nicht alleine. Zu ihm gesellten sich nach einigen Solo-Stücken Mitglieder seiner Dudelsack-Klasse. Und so wurden den Besuchern schottische und irische Weisen mit vierfacher Sack-Power um die Ohren geblasen.

Eigentlich hätten die Hauptacts direkt im Anschluss auftreten können, doch es entstand eine leicht unprofessionelle Pause. „Die Besucher müssen das erst mal verdauen“, so die Vorsitzende vom Veranstalter Witten Folk Lilo Dannert. Und meinte damit nicht das Dudeln der Säcke, sondern die Tatsache, dass es noch kein Fassbier gab.

Die Geschichte des Bieres

Der Gerstensaft floss zwar buchstäblich in Strömen, allerdings nur aus einem Schlauch der defekten Zapfanlage. Bis Ersatz geliefert wurde, mussten die Besucher statt mit Guinness und Kilkenny vom Fass mit – igitt – deutschem Flaschbier vorlieb nehmen. Doch bereits 90 Minuten nach Festivalbeginn konnte der Sänger von Stout, der mittlerweile pflichtbewusst seine Arbeit aufgenommen hatte, verkünden, dass nun endlich irische Plörre aus den Zapfhähnen kam.

Die Geschichte des Geldes

Um an Getränke und Essen zu kommen, musste man zunächst Bargeld gegen kleine grüne Plastikchips eintauschen, die sich „Taler“ schimpften. Die Umrechnung war einfach: 1 Euro = 1 Taler. Die sinnige Begründung, warum man diesen Umweg gehen musste, lieferte Taler-Tauscherin Gesa Schäfer vom Schleusenwärterhausbetreiber Wabe: „Um Verwechslungen vorzubeugen, weil sonst wahrscheinlich jeder mit Euro bezahlen wird.“

Und so wechselten Pommes mit Soße für drei Taler, Nackensteak im Brötchen für sieben und Irish Stew für acht Taler die Besitzer. Ohrenschlackern war beim Preis für eine Currywurst angesagt: satte fünf Taler. Einzige Erklärung: Diese Zahl musste ausgewürfelt worden sein; schließlich hat man hierzulande zuletzt mit Talern bezahlt, als die Currywurst noch gar nicht erfunden war.

Die Geschichte der Sandsäcke

Das Bild um die Bühne herum war von unzähligen Sandsäcken geprägt. Obwohl der Wasserstand der Ruhr hoch war, hatte man nicht etwa Angst vor einer Flutkatastrophe; vielmehr kam den Säcken die Aufgabe zuteil, das Zelt über der Bühne am Wegfliegen zu hindern. 

Festival-Fazit

Musikfreunde, die auf gemütliche Atmosphäre und den Charme kleiner bis mittelgroßer Veranstaltungen stehen und auch bei der ein- oder anderen Panne nicht gleich Reißaus nehmen, waren bei der 15. Ausgabe von „Folk am Fluss“ gut aufgehoben. Alle anderen sollen gefälligst zu „Rock am Ring“, nach Herzberg oder Wacken fahren. Eine Wacken-Wurst kostet übrigens 6,40 Euro. Umgerechnet sind das ungefähr 6,40 Taler.

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