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Zwei Helenes – wie die Familie Lohmann Witten prägte
Als Peter Engelbert Berger aus Wuppertal 1782 in die Bauernfamilie Hundeicker im Bommeraner Reesenhof einheiratete, entwickelte sich dort eine Keimzelle bergbaulicher Unternehmungen, die später auch in den Sektor Stahlproduktion überging.
Engelberts Tochter Helene (1784-1866) heiratete 1808 den Wittener Stahlunternehmer Johann Friedrich Lohmann jun. (1783-1837). Diese Frau spielte in der wirtschaftlichen Entwicklung beider Familien eine herausragende Rolle.
Als ihr Ehemann 1837 starb, fielen seine Besitzanteile laut Testament an die Ehefrau Helene, die gezwungenermaßen die Unternehmen ihres verstorbenen Mannes weiterführen musste. Bis zu ihrem Tod 1866, also fast 30 Jahre lang, leitete sie die vielfältigen Geschäfte. Dazu gehörte vor allem das Stahlwerk auf „Haus Berge“ („Haus Witten“), wo mit dem innovativen „Tiegelstahlguss“ sehr erfolgreich experimentiert wurde.
In Helenes Schaffensperiode fiel auch 1859 die Verlagerung der Tiegel-Stahlproduktion nach Herbede – an den noch heute aktiven Standort – und der Erwerb der dort heute noch wichtigen Wasserrechte. Der Kupferhammer am heutigen Hammerteich, eine Brennerei, Landwirtschaft, Mühlenbetriebe und weitere Unternehmen fielen ebenfalls in ihre Verantwortung.
Helene Lohmann wurde als „geistig hochstehende Frau“ angesehen, die in der Verwaltung des großen Besitzes – inklusive des eigenen Erbes aus ihrer Familie Berger – große unternehmerische Fähigkeiten entfaltete. Sie führte ein gastfreundliches Haus, das sich zum Treffpunkt bekannter Persönlichkeiten der Region entwickelte. Ihr gesamtes geschäftliches Handeln war von sozialem Engagement geprägt.
Es ist nicht verwunderlich, dass die Stadt Witten die heutige Realschule in Bommern nach dieser prominenten Unternehmerin des 19. Jahrhunderts benannt hat. Helene Lohmanns Grabstätte befindet sich auf dem Privatfriedhof der Lohmanns am Fuße des Helenenbergs.
Die „andere“ Helene Lohmann
Eine der drei Töchter von Helene Lohmann trug auch den Vornamen Helene. Sie ist heute immer noch präsent durch den nach ihr benannten Helenenturm.
Die Familie Lohmann hatte 1815 mit dem Erwerb von „Haus Berge“ zahlreiche Privilegien erworben, unter anderem das Recht, die Fähre zwischen Bommern und Witten zu betreiben und die Gebühren dafür festzulegen.
Als der Preußische Staat Mitte des 19. Jahrhunderts die Fährgelder herabsetzen wollte, führte Helenes Ehemann, der Justizrat Eduard Strohn, die Klage gegen den Staat und gewann den zweijährigen Prozess. Strohn wollte dafür kein Honorar annehmen, sondern bat die Familie Lohmann, einen Turm bauen zu lassen zum Andenken seiner geliebten Frau, Helene Strohn.
Sie war kurz zuvor als Enddreißigerin bei der Geburt ihres achten Kindes verstorben. Viele Wittener bezeichnen vor diesem Hintergrund den Helenenturm als Wittener „Taj Mahal“. So wurden beide Frauen durch Bauwerke in Witten verewigt: die Mutter durch die Realschule und die Tochter durch den Aussichtsturm.
Bericht von Dieter Schidt
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