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Windkraft in Bommern anno 1923

Heutzutage ist Windkraft in aller Munde. Dass sie in Bommern schon seit 1923 genutzt wurde, ist weitgehend unbekannt. Selbst die Stadtwerke verfügen nach meiner Anfrage über kein Archivmaterial dazu.

Windturbine „Athlet“

Auf dem kleinen Höhenzug zwischen Alte Straße und Wacholderstraße, ziemlich dicht am Löwen-Denkmal, wurde eine solche Windturbine errichtet mit der Funktion, Wasser aus einem Speicherbehälter weiter hinaufzupumpen zum Bommerholzer Wasserturm.

Hans Ulrich Hake gibt in seinem Buch „Bommern, Geschichte und Geschichten“ folgende Beschreibung: „Auf einem 14,50 m hohen Turm aus Ziegelmauerwerk mit einem Durchmesser von 4,50 m stand ein 8 m hohes Eisengerüst, an dem das Windrad befestigt war. Das Rad selbst hatte einen Durchmesser von 11,20 m.“  Dazu liefert er folgende technische Details: „Bei 4 bis 5 Sekundenmeter Windstärke leistete die Windturbine etwa 8 PS. Mit dieser Leistung konnte sie 14 cbm auf eine Höhe von 70 m drücken.“

Der damalige Hersteller hieß „Vereinigte Windturbinenwerke AG, Dresden“. Das Modell trug  den Namen „Athlet“, was auch auf dem Windflügel aufgemalt war. In der Bevölkerung war auch die Bezeichnung „Herkules“ gängig, weil diese Firma auch Windräder mit diesem Namen produzierte, so zum Beispiel für Pumpwerke in den Niederlanden.

Fritz Nettmann

Gertraud Kilimann, vielen in Bommern aus ihrer Zeit als Lehrerin an der Brenschenschule bekannt, berichtet, welche Rolle ihr Vater (verstorben 1948) im Zusammenhang mit dem Windrad gespielt hat.

Die Familie wohnte seit 1926 in der Wacholderstraße 15 (also unweit des Windrades), und ihr Vater Fritz Nettmann war Beamter bei der städtischen Wasserversorgung. Sein Arbeitsplatz war das Büro der Wasserwerke an der Oststraße. Aber auch zu Hause hatte er bestimmte Arbeitsaufträge zu erfüllen, denn es gab in seinem Privathaus Kontrollvorrichtungen, die Fritz Nettmann in besonderen Fällen zu bedienen hatte, um das Windrad zu steuern. Man weiß, dass zum Beispiel bei Sturm Windräder abgestellt werden. Außerdem kümmerte er sich um den Wasserturm in Bommerholz, der ja in einem direkten technischen Zusammenhang mit der Windturbine stand.

Standort des Windrads

Heute gibt es in dem kleinen Wäldchen am Löwen überhaupt keine Spuren mehr. Von der Familie Frigge, Am Tiemen, stammt das Foto eines kleinen Jungen vor dem Löwen-Denkmal. Man sieht, dass das Windrad etwa 20 Meter entfernt stand, und zwar bergauf. 

Ein weiteres Foto aus einer anderen Perspektive verortet das Bauwerk etwa auf der Höhe des heutigen Papiercontainer-Platzes.

Ende der Windkraft

Nach Aussage von Gertraud Kilimann wurde das Rad der Anlage direkt nach 1945 abgebaut. Recherchen in der Zeitungssammlung des Stadtarchivs blieben ergebnislos. Für Journalisten waren zu jener Zeit andere Themen wichtiger.

In einem plattdeutschen Gedicht, „Oawend an dä Ruhr“ (Abend an der Ruhr) von Gottfried Lusebrink, veröffentlicht 1954 in einer Festschrift des TuS Bommern, heißt es: „am Herkules fählt nu dat Rad“ (am Herkules fehlt nun das Rad).

Der gemauerte Stumpf blieb noch länger stehen. Wann er abgerissen wurde, lässt sich nicht genau datieren. Heute erfüllt eine elektrisch betriebene Pumpstation („Wasser-Druckerhöhungsanlage“) an der Alten Straße die Aufgabe der ehemaligen Windturbine.

Quellen: Hans Ulrich Hake, Bommern – Geschichte und Geschichten, Informationen von Gertraud Kilimann

Fotos: Sammlung HU Hake, Fundus Gertraud Kilimann, Fundus Familie Frigge

Bericht von Dieter Schidt

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